Hausarrest dank Electronic Monitoring

Spätestens seit Dezember 2009 ist das Electronic Monitoring (EM) allgemein bekannt: Der Hausarrest des Filmregisseurs Roman Polanski in seinem Chalet in Gstaad wird anhand dieses Systems überwacht. Die technische Infrastruktur wird durch Securiton betrieben. Die in diesem Falle eingesetzte Fussfessel ist jedoch nur eine Art der EM-Anwendungen; das System ist sehr vielseitig einsetzbar.
Der Starregisseur Roman Polanski wurde im September 2009 bei seiner Einreise in die Schweiz aufgrund eines amerikanischen Haftbefehls verhaftet. Drei Monate danach wurde er aus der Auslieferungshaft in den Hausarrest entlassen. Bedingung war, dass der Oscar-Preisträger sein Haus und Garten in Gstaad zu keiner Zeit verlassen dürfe.
Klassische EM-Überwachung
Ermöglicht wird der Hausarrest Polanskis durch das Electronic Monitoring. Die Securiton hat diese permanente elektronische Überwachung in Polanskis Chalet installiert. Vollzugsbeamte brachten dem Starregisseur am Fussgelenk einen Sender an, auch elektronische Fussfessel genannt. Ein Empfänger im Haus definiert den exakten Radius, in dem sich Roman Polanski bewegen darf. Sollte er sich aus diesem Bereich begeben, schlägt das System Alarm. Auch eine Manipulation an Fussfessel oder Sender wird sofort an die Überwachungszentrale der Securitas AG und von hier aus an die Kantonspolizei Bern übertragen. Diese Form der Überwachung kann aber eine Flucht nicht verhindern, sondern lediglich eine rasche Alarmierung ermöglichen. Die Schweizer Behörden führen seit 1999 in mehreren Kantonen Pilotversuche mit dem klassischen EM im Bereich von kurzen Freiheitsstrafen oder als Vollzugsstufe zur Wiedereingliederung nach langen Freiheitsstrafen durch. Die Erfahrungen sind generell positiv.
Weitere EM-Möglichkeiten
Es gibt neben dem klassischen EM noch diverse andere Anwendungen. Die einfachste ist die Stimmidentifikation, bei der die zu überwachende Person zuhause oder am Arbeitplatz angerufen wird und sich mit ihrer Stimme identifizieren muss. Bei der Alkoholüberwachung (im Fall von gerichtlich erwirkten, erzieherischen Massnahmen oder zur Überwachung eines Alkoholentzugs) verfügt das klassische EM zusätzlich noch über eine Kamera zur Gesichtserkennung und eine Alkoholmesseinrichtung. Mit der GPS-Ortung kann der Delinquent auch ausserhalb der Wohnung überwacht werden. Die Fussfessel überträgt die Position per GSM an die EM-Zentrale. Eine Ortung mit GPS kommt in der Schweiz zurzeit nicht zum Einsatz. Das EM wird bald auch für Fälle der häuslichen Gewalt eingesetzt. Hier werden das Opfer und der Täter permanent mittels GPS überwacht. Eine unerlaubte Annäherung der beiden wird sofort der Überwachungszentrale und der Polizei gemeldet. Entsprechende Massnahmen und Interventionen werden eingeleitet.
